Reisebericht: Der Pilion im Herbst - eine Sinnesreise mit dem Motorrad

 

Der Pilion im Herbst - eine Sinnesreise mit dem Motorrad

 

 

Die Apfelernte ist voll im Gange, als wir durch die wunderschönen Bergwälder auf dem Pilion fahren. Ich bin völlig fasziniert und fühle mich an Südtirol erinnert, die engen Bergstraßen, Eichen- und Buchenwälder, sehr steile Obstwiesen und überall Kisten voller Äpfel. Die Luft ist noch schön warm jetzt Ende September und ist erfüllt vom Duft nach Laub, Früchten und Esskastanien.

Der Pilion ist eine Halbinsel auf dem Festland von Griechenland, welche auf der Karte betrachtet die Form eines umgedrehten Stiefels hat und in der Mitte zwischen Athen und Thessaloniki liegt. Die wichtige Handels- und Hafenstadt Volos liegt am pagasitischen Golf, welcher durch den ungefähr 100 km langen Gebirgszug von der Ägäis getrennt wird. Diese Trennung führt zu unterschiedlichen klimatischen Zonen, da die aus Osten kommende Luft an den hohen Bergen kondensiert und sich oben gerne in Regengüssen abregnet, während auf der anderen Seite die Sonne scheint und Badewetter herrscht.

 

 

Unsere Basis für die Tagesausflüge ist das Camping Sikia, ein wunderschön terrassiert angelegtes Gelände mit Hotel, Apartments und Campingplatz, eingebettet in alte Baumbestände. Eine schöne Taverne mit kleinem Supermarkt und ein schöner Sandstrand für das erfrischende Bad nach der Motorradtour… hier bleiben keine Wünsche offen, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Man spürt sofort, dass die Eigentümer mit ganzem Herzblut bei der Arbeit sind und wir fühlen uns immer sehr willkommen und freundlich empfangen nach unseren Touren oder abends beim Essen in der Taverne. Die Anlage liegt auf der Westseite des Pilion in Kato Gatzea, ca. 20 km von Volos entfernt.

 

 

  

Wir starten am nächsten Morgen und folgen der Küste bis nach Trikeri an der Südspitze - traumhaftes Motorradfahren! Ständig eröffnen sich neue Ausblicke über eine wunderschöne Küstenlandschaft mit kleinen Dörfern und schönen Buchten mit kristallklarem Wasser. Weil der Pilion von oben gesehen einen leichten Bogen beschreibt und parallel zur Küste des Festlandes verläuft, ist man sich nie sicher, ob die Berge in der Ferne auf dem Pilion oder dem Festland liegen oder ob es sich dabei um die vorgelagerten Inseln handelt. Ein herrliches Panorama zum Abschalten und Entschleunigen.

 

 

 

Auf dem Hof eines Holzhändlers werden wir fast neidisch beim An- und Ausblick seines Arbeitsplatzes. Schön gelegen, mit „handfesten“ Dingen beschäftigt und fernab von jeglicher Form von Stress sägt der Mann das alte Holz zurecht für den Verkauf zum Heizen im Winter. Wenn er Pause macht, lässt er den Blick übers Meer schweifen und macht dann weiter mit seiner Arbeit, genau in dem Tempo, wie es für ihn gut ist.

 

 

Auf dem Rückweg zum Campingplatz kommt uns auf der Straße eine Herde Ziegen entgegen. Eile scheint ihnen fremd zu sein - wir müssen anhalten und warten, bis sie sich gemächlich entfernt haben. Damit ist in Griechenland immer und überall zu rechnen: Tiere auf der Straße. Entsprechend angepasst sollte man um die engen Kehren in den Bergen fahren. Zurück am Campingplatz genießen wir erst mal bei bester Aussicht ein kaltes Bier mit Blick auf den Golf und schmieden Pläne für die Tour morgen, bevor wir noch den Straßenstaub des Tages bei einem erfrischenden Bad im Meer abwaschen.

 

 
 
 

 

Am Tag 2 unserer Pilion Rundtour fahren wir von Kato Gatzea Richtung Volos, um dort rechts abzubiegen in die Berge nach Richtung Chania. Wir machen Halt in Drakia, einem sehr ursprünglichen Bergdorf, in dem man an jeder Ecke den Eindruck gewinnt, hier sei die Zeit stehen geblieben. Der über Stufen erreichbare Dorfplatz wird von einer mächtigen Platane überschattet, deren beachtlicher Stamm allein einen Durchmesser von etwa 2,5 Meter hat. Der Durchmesser der Krone dürfte bei rund 30m liegen. Darunter befindet sich eine Taverne und ein Kafenion, wo wir bei einem Frappé das bunte Dorfleben genießen. Einer der alten Männer ist neugierig und will von mir wissen, woher wir kommen. Deutschland? So weit? Und mit dem Motorrad? Als wir bejahen, bestellt er gleich noch einen Frappé für uns und wir hören uns Geschichten an, wie die Dorfbewohner tapfer ihr Bergdorf gegen die türkischen und später gegen die deutschen Soldaten verteidigt haben. Bewegte Zeiten, welche heute noch für tägliche Diskussionen auf dem Dorfplatz zu sorgen scheinen. Wir werden eingeladen, was ein Ausdruck der griechischen FILOXENIA ist, der griechischen Gastfreundschaft.

 

 

 

Noch berührt von dem Erlebten fahren wir weiter auf wunderschönen Bergstraßen mit unzähligen Kurven durch endlos erscheinende Wälder, bis wir in Horefto im Nordosten ankommen. Der Strand, welcher uns dort erwartet, verschlägt uns fast die Sprache – ausgedehnt, fast menschenleer, kristallklares Wasser! Nachdem wir unsere Motorräder geparkt haben, ist ein sofort ein erfrischendes Bad fällig.

 

 

 

 

Der Rückweg führt wieder durch Wälder und zahllose Kurven an der Ostküste entlang in das schöne bunte Bergdorf Tsangarada, eine von vielen kleinen Ortschaften in Halbhöhenlage an der Ostflanke des Pilion. Von dort aus führt der Rückweg quer über den Höhenzug über das Dorf Neochori wieder hinunter zum Campingplatz. Das Schöne an dieser Unterkunft ist, dass man alles bekommt und nach langer Tagestour nicht nochmals aufbrechen muss, um essen zu gehen.

 

 

 

Am nächsten Morgen packen wir fast wehmütig unsere Sachen, um in Piräus am Nachmittag die Fähre nach Karpathos zu bekommen, und beschließen, irgendwann noch einmal hierher zu kommen, dann aber mit mehr Zeit im Gepäck. Der Pilion bietet noch viel zu entdecken und zu erfahren …und zum Entspannen!

 
 ©  Bilder und Text by Frank Wondratsch, www.greek-spirit-tours.de

 

 

 

 

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